Amerang - Noch beherrscht Baustellenlärm das Haus an der Bahnhofstraße 3 in Amerang, zeugen in den Fluren die letzten Umzugskartons vom Neubeginn an traditioneller Stätte. Von außen weisen optisch nur der zu Ehren des Unternehmers neu geschaffene "Freiberger-Platz" und eine kleine Firmentafel am Eingang darauf hin, dass hier im Zentrum des Dorfes die Steuerungszentrale einer Unternehmensholding sitzt, die in Deutschland und Österreich 2500 Mitarbeiter beschäftigt. Hartmut Hain, gemeinsam mit Roland Seebauer Geschäftsführer der Freiberger Holding und Vorstandsvorsitzender der Medical Park AG in Personalunion, wirkt nach der ersten Arbeitswoche an neuer Stätte entspannt. "Die Stimmung im Haus ist prima", freut er sich über den erfolgreich verlaufenen Umzug von Bad Wiessee nach Amerang.

95 Prozent der gut 60 Mitarbeiter aus der Zentrale der Medical Park AG haben nach seinen Angaben die Entscheidung zum Standortwechsel mitgetragen. Mit dem Umzug der Verwaltung, die zehn Kliniken und fünf ambulante Gesundheitszentren betreut, vollzieht sich nach Angaben von Hain ein wichtiger strategischer Schritt: die Aktivitätenbündelung an einem Ort als Basis für eine noch effizientere und straffere Unternehmensleitung. "Alle typischen zentralen Funktionen der Holding werden nun von Amerang aus gesteuert", erläutert der Vorstandsvorsitzende im Gespräch mit unserer Zeitung in seinem schlicht gestalteten Büro. Auf dem Konferenztisch liegt eine Mappe mit Fotos der Kliniken und Liegenschaften der Holding, zu denen auch der Spreebogen in Berlin, das dortige Hotel Abion und das Rasthaus Chiemsee gehören. Die Bilder sollen demnächst auf den Fluren des Verwaltungsgebäudes aufgehängt werden und den Bogen zu den deutschlandweiten Aktivitäten der Gruppe schlagen.

Finanz- und Rechnungswesen, Qualitätsmanagement, IT- und EDV-Abwicklung, Marketing: All diese Fäden laufen seit einer Woche in Amerang zusammen. Der Lebensmitteleinkauf für die Hotellerie und die Medical-Park-Kliniken beispielsweise soll von Amerang aus gesteuert werden. Im Bad Endorfer Hof finden zudem die Fort- und Weiterbildungen der Medical-Park-Akademie statt. Ebenfalls in Amerang ist die private Freiberger-Stiftung beheimatet, die den Ameranger Disput veranstaltet und sich gesellschaftlichen, sozialen sowie kulturhistorischen Fragen widmet. Hier wohnt auch Unternehmer Ernst Freiberger mit seiner Familie. "Leben und arbeiten an einem Ort": Freibergers Ziel hat sich mit dem Umzug der Verwaltungszentrale endgültig erfüllt - auch dank einer engagierten Gewerbepolitik der Gemeinde Amerang.

Hain selbst wohnt in Kolbermoor und denkt auch über einen Umzug nach. "Amerang ist sehr reizvoll", nennt er als Grund, warum es nicht schwer war, die Mitarbeiter zum Wechsel zu motivieren. Was jedoch noch mehr wiege, sei der Zusammenhalt im Dorf, so Hain. Die Freiberger Holding unterstützt als Sponsor deshalb unter anderem den Sportverein Amerang.

Das Unternehmen will außerdem aktiv die weitere Verbesserung der örtlichen Angebote unterstützen: Unter anderem setzt es sich für die Ansiedlung weiterer Arztpraxen im Dorfkern ein.

Nur wenige Fußminuten entfernt liegt die Wiege des Unternehmens, wo Ende des 19. Jahrhunderts mit der Bäckerei Freiberger und später der Eiskremfabrik Freiberger die erfolgreiche Unternehmensgeschichte der Familie begann. An diese Wurzeln wird demnächst eine Ausstellung erinnern, die im Erdgeschoss des Verwaltungsgebäudes entsteht. Sie schlägt den Bogen zur Holding von heute, die sich nach Angaben von Hain nach wie vor den traditionellen Geschäftsprinzipien verbunden fühlt. "Es sind die Beständigkeit, die persönliche Atmosphäre und Werte, die sich der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlen, die uns von rein börsenorientierten Unternehmen unterscheiden", so Hain. duc

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