Ernst Freiberger – a long line of success from Amerang to Berlin

Münchner Merkur of 26th May 2008
Ernst Freiberger, awarded the Order of Merit, has shaped
Berlin and Eastern Bavaria.

von Christine Ulrich
Ein bisschen hat auch immer der Zufall mitgespielt. Genau das glückliche Bisschen, das jemand braucht, dem der Unternehmergeist rasant durch die Adern fließt. Und der bei allem schier unglaubliches Geschick beweist. Er wurde Europas Pizza-König, er baute das Bundesinnenministerium – und hat zugleich seine Mitmenschen nie aus den Augen verloren: Für all das hat Ernst Freiberger (57), am 11. ugust 1950 in München geboren, nun in Berlin das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Als Unternehmer, Stadtgestalter und Stifter hat Freiberger nicht nur Berlin geprägt, sondern auch seine oberbayerische Heimat. Doch der Reihe nach. Er wuchs in Amerang (Kreis Rosenheim) auf, wo sein Vater Ernst Freiberger sr., ein Bäcker, in den Nachkriegsjahren etwas aufbauen wollte – und sich entschloss, Eiscreme zu produzieren. Erfolgreich: Die EFA Eiscreme belieferte 1972 die Olympischen Spiele, bevor sie an Südmilch verkauft wurde.

Der kleine Ernst war stets dabei, wenn seine Eltern über Land fuhren und ihr Eis in Gasthäusern verkosten ließen. „roßartig" fand er es mitzukriegen, wie der erste Lastwagen bestellt wurde. „Das hat mir gefallen, ich wollte immer Unternehmer sein", sagt er heute. Während des Studiums der Betriebswirtschaft arbeitete er als Alianz-Versicherungsvertreter – heute sitzt er dort im Aufsichtsrat.

Dann kamen wieder ein paar dieser Zufälle. Über die Hähnchenbraterei Wienerwald erfuhr Vater Freiberger, dass in Berlin eine kleine Pizzaversandbäckerei vor der Pleite stand. Mit dem Sohn flog er hin, sein Ziel: die Firma zu kaufen, zu schließen, die Maschinen nach Bayern zu holen. Doch auf dem Hinweg im Taxi kollabierte er. Schlimm genug. Aber Freiberger junior übernahm – und startete seine große Karriere.

Er kaufte die Firma, blieb in Berlin und führte das Geschäft ab 1976 so erfolgreich, dass die Freiberger Lebensmittel GmbH zu Europas größtem Tiefkühlpizza-Hersteller wurde. Und das gegen alle Widrigkeiten, etwa als nach dem Mauerfall die Subventionen für Westberliner Unternehmer wegfielen. Heute hat die Firma 1900 Mitarbeiter, produziert täglich zwei MIllionen Tiefkühlkost und verbraucht laut „Tagesspiegel" für den Käse die Milch von 15000 Kühen.
1989 verkaufte Freiberger sein Unternehmen an Südzucker. Danach erwarb er die Humboldt-Mühle am Tegeler Nordhafen, die er zum Hotel umbaute – erster Schritt in die Immobilienwelt. Dann gelang ihm der Coup, das begehrte Geländer der Bolle-Meierei zu kaufen – per Ehrenwort ziemlich günstig, bevor nach dem Mauerfall die Grundstückspreise explodierten. Er baute dort im Stadtteil Moabit den „Spreebogen", der heute das Bundesinnenministerium und ein exklusives Freiberger-Hotel beherbergt.

In den vergangenen Jahren wandte er sich wieder seiner Heimat zu. Inzwischen betreibt er in Oberbayern sieben rennomierte „Medical-Park"-Kliniken. In Kitzbühel restaurierte er das denkmalgeschütze Grand Hotel, das heute von McKinsey als Tagungsstätte genutz wird.

Doch bei allem Unternehmergeist vergaß Freiberger nie seine soziale Verantwortung. 1994 rief er die nach ihm benannte Stiftung ins Leben. Diese würdigt mit Denkmälern Persönlichkeiten, die auf zivilem Gebiet Außergewöhnliches leisten und so zu „Helde ohne Degen", wie Freiberger sie nennt, wurden – darunter Außenminister Walther Rathenau und Schriftsteller Thomas Mann, deren Denkmäler in Berlin die „Straße der Erinnnerung" zieren. Zudem fördert die Stiftung ältere, einsame Menschen, etwa mit Kursen in der Berliner Begegnungsstätte „Sonnenblume". Auch wissenschaftliche Untersuchungen zu gesellschaftlichen Fragen führt die Stiftung durch. Seit 2006 findet der „Ameranger Disput" statt, etwa zum Thema Religion.

„Sie geben ein hervorragendes Beispiel, wie sich Wirtschaft und Soziales vereinbaren
Ernst Freiberger (r.) mit Finanzsenator Thilo Sarrazin
lassen", sagte Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin in seiner Laudatio. Freiberger habe die Stadt mit „Ideen, Neugier und Tatendrang geprägt. Mit seiner aktuellen Neugestaltung des „Forums Museumsinsel" – seinem größten Projekt – werde er seine Aktivitäten krönen. Und Freiberger würdigte in seiner Dankesrede die „Kraft, die ihm aus seiner Verbundenheit mit der bayerischen Heimatzuströme".


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