Humboldtmühle soll Reha-Klinik werden

Berliner Morgenpost vom 22. Februar 2008
Bayerische Betreiberin will im Herbst ein privates Premium-Haus mit 300 Zimmern und Suiten eröffnen.

Einfach Auto fahren. Eine Bierkiste die Treppe herauf tragen. Das Leben kann so einfach sein - solange es einfach ist. Doch nach einem Schlaganfall ist alles anders. Die Zeit danach verlangt Anstrengungen, Rehabilitation, die man nicht in jedem beliebigen Krankenhaus bekommt.

Besonders in Berlin fehlt es noch an spezialisierten Kliniken. Im Herbst 2008 wird in der Tegeler Humboldtmühle ein solches Haus eröffnet - mit 270 Zimmern und 28 Suiten, nicht nur für Schlaganfall-Patienten. Auch nach einem Herzinfarkt, Sportunfällen und ähnlichem, ist man hier gut aufgehoben. 350 Ärzte, Pfleger und weiteres Personal werden im privaten Medical Park Berlin Humboldtmühle arbeiten und Patienten der Orthopädie, Sportmedizin, Kardiologie und Inneren Medizin betreuen.

Betreiberin ist ein Privatunternehmen aus Bayern. Die Freiberger Holding hat sich auf Immobiliengeschäfte, Hotels, Kliniken spezialisiert. Der Namensgeber des Unternehmens, Ernst Freiberger, plant unter anderem auch das "Forum Museumsinsel", eine architektonische Neubelebung des Areals um die Museumsinsel.

Vor allem in Bayern ist Freibergers Familienunternehmen für seine Marke "Medical Park" bekannt - eine Kette von Reha-Kliniken, dazu ambulante Therapie-Zentren, die Rehabilitation für anspruchsvolle, vor allem ältere Patienten anbietet. Die Holding wurde so zum Marktführer für Rehabilitationsangebote in Bayern; zur Standard-Versorgung gehört hier stets auch ein hübsches Stück Landschaft - Gebirgsblick ins Berchtesgadener Land, eine Tegernsee-Idylle, der Chiemsee und dergleichen mehr. Ambiente und Versorgung sind auf dem Standard von Fünf-Sterne-Hotels, selbst Mitglieder des saudischen Königshauses lassen sich in Medical Park Kliniken behandeln.

Jetzt strebt das Unternehmen nach einer City-Lage in Berlin. Das Grundstück an der Humboldtmühle passt perfekt ins Konzept - ein zentral und doch ruhig gelegenes, historisches Areal. Einst war die Mühle im Besitz der Familie von Humboldt; dann mit Backstein-Architektur und einem denkmalgeschützten Getreidesilo bebaut. Zu den 17000 Quadratmetern Grundstück gehören zudem ein Bootshafen und mehr als 1000 Quadratmeter Wasserfläche direkt am Tegeler See.

Die Voraussetzungen wären also da, um aus dem ehemaligen Vier-Sterne-Hotel eine Klinik für erste Ansprüche zu machen. Doch kann das gehobene Konzept bayerischer Premium-Häuser, die Namen wie "St. Hubertus" oder "Kronprinz" tragen, auch im Krisen geplagten Berlin funktionieren?

"Berlin ist ein Top-Markt für uns", sagt Hartmut Hain, Vorstandsvorsitzender der Medical Park AG. Berlin bietet eine breite Auswahl von hoch qualifiziertem Personal. Auch Auslandsinvestoren interessieren sich deshalb zunehmend für den Medizin-Markt Berlin. Und da wäre der große Bedarf für Reha-Leistungen - 3,5 Millionen Einwohner Berlins werden bislang nur von einer größeren Reha-Klinik versorgt. Auf Berliner Einkommensverhältnisse ist man, scheint es, bei Medical Park recht gut vorbereitet: "Mehr als die Hälfte der von uns betreuten Patienten sind gesetzlich versichert", sagt Hain - und auch sie brauchen Rehabilitation. Reicht beispielsweise nach Operation der Aufenthalt in einer herkömmlichen Klinik nicht zur Genesung, bietet sich der Aufenthalt in einer Reha-Klinik an. Im Berliner Medical Park wird es sogar 12 Intensiv-Überwachungsbetten geben, um für schwere Fälle zu sorgen.

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