Oldtimer im ersten Stock
Berliner Zeitung vom 08.09.2011
Ernst Freiberger investiert 300 Millionen Euro in das "Forum Museumsinsel". Auch für seine Autos gibt es Platz
Der Unternehmer Ernst Freiberger hat offenbar das Gespür dafür, dort zu investieren, wo es sich lohnt. Als Pizzabäcker ist der heute 61-Jährige reich geworden. Seit vielen Jahren aber begeistert er sich für historische Gebäude. In Tegel hat er die Humboldtmühle zu einer Rehabilitationsklinik ausgebaut, in Moabit das alte Bolle-Areal an der Spree modernisiert und dort das Bundesinnenministerium errichtet. Jetzt widmet sich Freiberger einem schon lange brach liegenden Areal in Mitte: Aus dem Gebäudeensemble rings um das Haupttelegraphenamt mit der alten Rohrpostanlage soll ein "Forum Museumsinsel" werden. 300 Millionen Euro will Freiberger bis zum Jahr 2014 in das Projekt zwischen Oranienburger Straße und Spree investieren.
Geschäfte und Boutiquen
Freiberger ist ein Visionär, er sieht schon die Besucher der Museumsinsel über die Monbijoustraße ins Szeneviertel schlendern - zu einem Platz, den er zwischen Haupttelegraphenamt und rot-geklinkertem ehemaligen Fernsprechamt neu anlegen will. Forum nennt er ihn, im Sommer soll es dort Konzerte, Public Viewing und einen Biergarten geben, im Winter einen Weihnachtsmarkt und eine Eisbahn.
Ein Stück weiter ist ein Neubau geplant, mit einer Markthalle im Erdgeschoss, die der Gastronom Michael Käfer betreibt. Käfer sagt, dort werde es Lebensmittel etwa aus Frankreich, Italien und Spanien geben. In der Etage darüber ist eine Kunsthalle vorgesehen, die wohl eher eine Automobilausstellung sein wird: Von Freibergers Oldtimer-Sammlung mit 250 Autos sollen dort die 45 schönsten präsentiert werden. Wie der Neubau aussehen soll, ist ungewiss. Selbst Entwürfe von namhaften Architekten wie Lord Norman Foster haben Freiberger nicht gefallen, heißt es.
Einen anderen Star-Architekten hat Freiberger bereits engagiert. David Chipperfield wird die ehemalige Frauenklinik der Charité für die Deutsche Telekom umgestalten, die dort mit der "School of Transformation" eine Führungsakademie einrichten will. Chipperfield kümmert sich auch um das Bauhaus an der Ziegelstraße, in dem 10 von insgesamt 30 geplanten Mietwohnungen (60 bis 410 Quadratmeter) entstehen. Architekt Rüdiger Patzschke übernimmt die Umgestaltung der anderen Gebäude. So wird der Südflügel des Haupttelegraphenamtes als Vier-Sterne-Hotel mit 200 Zimmern hergerichtet. Die Freiberger-Gruppe wird es selbst betreiben. Wie der Unternehmer betont, gebe es in den Erdgeschossen der Gebäude an der Oranienburger Straße Geschäfte und Boutiquen.
Nicht durchsetzen konnte er sich mit seinem Wunsch, Monbijou- und Ziegelstraße für Autos zu sperren. Laut Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) bleiben die Straßen öffentlich. Freiberger darf sie aber auf seine Kosten umgestalten. Ebenso wie die Uferpromenade an der Spree. Dazu laufen jetzt die Absprachen mit dem Bezirk.
