„Für mich ist Engagement eine Frage der Grundeinstellung“

DIE STIFTUNG Ausgabe 1/09
DIE STIFTUNG im Gespräch mit Ernst Freiberger

Die Stiftung: Gab es einen bestimmten Moment in Ihrem Leben, an dem Sie sich entschlossen, Ihre Energie nun gemeinnützigen Zwecken zu widmen?
Freiberger: Eine Zäsur, wenn Sie das meinen, hat es so nie gegeben. Ich habe mir auch nie die Frage gestellt, erst das eine und dann das andere zu tun. Als Unternehmer hört man nie auf, Unternehmer zu sein – und gleichzeitig darüber nachzudenken, was man zusätzlich noch tun kann.

Die Stiftung: Es gibt Menschen, die nach einem besonderen Ereignis eine neue Richtung einschlagen.
Freiberger: Für mich ist Engagement für die Bewältigung sozialer, kultureller und anderer gesellschaftlicher Aufgaben eine Frage der Grundeinstellung. Alle Bürger eines demokratisch verfassten Staates sind nach ihren jeweiligen Möglichkeiten aufgerufen, Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen und Einsatzbereitschaft sowie Eigeninitiative zu entwickeln. Das gilt auch oder sogar in einem besonderen Maße für Unternehmer, weil sie Verantwortung für eine große Zahl von Menschen und ihre Familien tragen.

Die Stiftung: Viele Unternehmen oder Unternehmer glauben, sie müssten der Gesellschaft etwas wiedergeben, weil die Gesellschaft ihnen die Möglichkeiten gibt, sich zu entwickeln.
Freiberger: Das stimmt auch – allerdings nur dann, wenn sie diese Erkenntnis tatsächlich leben. Glaubwürdigkeit ist ganz entscheidend. Übrigens ist Unternehmertum mit sozialer Verpflichtung auch das erfolgreichere Geschäftsmodell. Ich bin der festen Überzeugung, dass wertegetriebene, auf Nachhaltigkeit setzende Unternehmen sich besser am Markt behaupten. Maximale Erfolgsorientierung im Geschäft und starkes Engagement für soziale oder gesellschaftliche Belange schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Beides gehört zusammen. Ohne das eine funktioniert das andere nicht. Corporate Social Responsibility, wie man heute gerne sagt, ist eine Haltung, kein austauschbares Marketinginstrument.

Die Stiftung: Welche Ziele verfolgt Ihre Stiftung konkret?
Freiberger: Da ist zunächst die Integration älterer und einsamer Menschen in die Gesellschaft. Unsere demographische Entwicklung macht das zu einer Aufgabe der Zukunft. Dazu kommt die Förderung der Erinnerungskultur in Deutschland. Dafür stehen unsere Denkmäler auf der „Straße der Erinnerung“ am Spreebogen in Berlin Alt-Moabit. Es gibt dort Porträtbüsten herausragender Persönlichkeiten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, etwa von Thomas Mann, Albrecht Haushofer, Walther Rathenau oder Georg Elser. Weitere kommen hinzu. Diese Persönlichkeiten haben gerade in einer Zeit, die von Krieg, Terror und unermesslichem Leid gekennzeichnet war und die das Deutschlandbild vielerorts in der Welt bis heute prägt, Außer-gewöhnliches für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit geleistet. Schließlich will die Stiftung eine Brücke schlagen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, indem sie Probleme analysieren lässt, zur Diskussion stellt und Lösungsvorschläge unterbreitet. Arbeitslosigkeit war ein großes Thema. Das Verhältnis der Weltreligionen war das zweite. Der weltweite Wandel der Familie wird der nächste Schwerpunkt sein.

Die Stiftung: Welche Erfahrungen als erfolgreicher Unternehmer konnten Sie in Ihre Stifterkarriere einfließen lassen?

Freiberger: Eine Stiftung muss man organisieren wie ein Unternehmen. Solange man die organisatorischen Voraussetzungen nicht schafft wie in einem Unternehmen, bleibt es nur bei Lippenbekenntnissen und bei der guten Idee. Es ist eben nicht nur damit getan, Geld für einen guten Zweck zu geben. Das mag in vielen Fällen hilfreich sein, aber ich vertrete eine andere Einstellung. Als Unternehmer will ich Ziele erreichen; als Stifter möchte ich das auch. Eine Stiftung sollte für etwas stehen; für ein Unternehmen gilt das ebenso. Mit meiner Stiftung trete ich für bestimmte Werte ein; als Unternehmer tue ich das in gleichem Maße.

Die Stiftung: Wie würden Sie aus den verschiedenen Motiven Ihrer Stiftung einen Bogen spannen? Was sehen Sie als Hauptzweck Ihrer Stiftung?
Freiberger: Vorbild zu sein, Dinge zu bewegen und zu neuem Denken anzuregen.

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