Freiberger Holding hat sich viel vorgenommen
Oberbayerisches Volksblatt vom 04.10.2010
Amerang – Kliniken, Hotels, Liegenschaften: Seit der Rückkehr von Unternehmer Ernst Freiberger nach Amerang werden von hier aus alle zentralen Verwaltungstätigkeiten des Mischkonzerns gesteuert.
Im Fokus stehen derzeit zwei Projekte, welche die Verbundenheit Freibergers mit seinen Wurzeln und sein deutschlandweites Engagement gleichermaßen symbolisieren: die Eröffnung des Medical Park Chiemseeblick auf dem Gelände des ehemaligen Rasthauses der US-Armee in Bernau sowie die Weiterentwicklung des Forums Museumsinsel im historischen Zentrum von Berlin.
Baustellenlärm prägt das ehemalige Rathaus von Amerang, wo im Januar dieses Jahres die Unternehmenszentrale der Freiberger Holding eingezogen ist. Im Foyer entsteht eine Ausstellung über die Firmengeschichte, die nur wenige Meter entfernt Ende des 19. Jahrhunderts mit einer Bäckerei begann, aus der sich dann später eine Fabrik für Eiskrem entwickelte. Diese Wurzeln des Konzerns liegen Ernst Freiberger am Herzen. „Er ist eine Unternehmerpersönlichkeit par exzellence, die bei aller Dynamik moderner Geschäftsprozesse in Generationen denkt“, nennt Dr. Rudolf Christa, seit dem 1. September neu in der Geschäftsführung der Holding, neben der neuen Herausforderung als Grund, warum er nach Amerang gewechselt ist. Die Wertorientierung des inhabergeführten Familienunternehmens hat Christa, vorher für die Unternehmensentwicklung bei der Möbelhausgruppe Lutz zuständig, überzeugt. Der Managementbereich in der Freiberger-Holding, für den er verantwortlich zeichnet, heißt deshalb ganz bewusst „Liegenschaftsentwicklung“. Damit grenzt sich die Holding gegen das klassische Immobiliengeschäft, das bereits beim An- den Verkauf im Auge hat, ab. „Wir makeln nicht, wir kaufen in der Regel Immobilien, um sie konzeptionell weiter zu entwickeln“, betont Christa. Deshalb bleiben Grundstücke und Gebäude im Besitz der Holding, zu deren Mietern das Bundesinnenministerium am Berliner Spreebogen gehört.
Neuestes Großprojekt: Das Forum Museumsinsel in der Hauptstadt - 100.000 Quadratmeter hochwertige Geschossnutzfläche in der Mitte von Berlin. Hier warten neun Bauten aus drei Jahrhunderten auf ihre Restaurierung und Wiederbelegung. Historische Bausubstanz dieser Art liegt Freiberger seit vielen Jahren am Herzen: Das Spreebogen-Projekt in Berlin oder die Restaurierung des Grand-Hotels in Kitzbühel beweisen, dass er gerne die Herausforderungen des Denkmalschutzes annimmt.
Neues Klinikprojekt am Chiemsee
Das Jahr 2010 steht deshalb laut Christa ganz im Zeichen der Revitalisierung des Ensembles direkt am Unesco-Weltkulturerbe Museumsinsel, für das es bereits zahlreiche Interessenten gibt. Das pulsierende Zentrum Berlins, nur wenige Fußminuten vom Boulevard Unter den Linden entfernt an der Spree gelegen, soll in den Bereichen Kultur und Museen, hochwertiger Handel, Wohnen und Büro weiter entwickelt werden. 2011 sollen die Planungen für eine der größten privatwirtschaftlichen Revitalisierungsinitiativen in Deutschland abgeschlossen sein.
Unterdessen verweist der Vorsitzende der Geschäftsführung der Freiberger Holding, Hartmut Hain, unter anderem auf das neueste Klinikprojekt direkt vor der Haustür - am Chiemsee in Bernau-Felden, wo die Freiberger Holding das Gelände des zum Teil denkmalgeschützten ehemaligen Rasthauses gekauft hat. „Wir gehen davon aus, dass wir 2011 die neue Klinik an den Markt bringen werden“, unterstreicht Hain die Tatsache, dass die Bauarbeiten im Zeitplan liegen. Mit der neuen Medical Park Klinik Chiemseeblick entstehen in Bernau 170 bis 180 neue Arbeitsplätze zu den bereits bestehenden 2500 in den selbstständigen Unternehmensbereichen der Holding.
Die Medical Park AG als größter Reha-Anbieter in Bayern mit 2000 Betten, zehn Kliniken und fünf ambulanten Zentren setzt damit weiter auf die Rehabilitation. In Zeiten einer immer kürzeren Verweildauer im Akutkrankenhaus nimmt die Anschlussheilbehandlung nach Hains Überzeugung eine bedeutende Stellung im Gesundheitssystem der Zukunft ein. „75 Prozent unserer Patienten kommen bereits heute liegend zu uns - oft schon vier Tage nach einer Operation“, erläutert er. Die Nachfrage nach Rehamaßnahmen steige - die Menschen werden immer älter und wollen möglichst lang aktiv bleiben.
Weitere Klinikankäufe oder Neugründungen stehen derzeit nicht an. „Wir wollen organisch und damit gesund weiter wachsen“, charakterisiert Hain das Ziel Freibergers. Dass die Holding mittlerweile „einen bemerkenswerten Besitz mit hohem Substanzwert“ aufweist und damit eine „bundesweit solitäre Stellung“ einnimmt, liegt auf der Hand. Die Geschäftsleitung, zu der neben Hain und Christa als Dritter Geschäftsführer Roland Seebauer gehört, gibt sich jedoch bescheiden. Die neue Unternehmenszentrale am Ameranger Freiberger Platz 1, in der alle Fäden der Gruppe zusammenlaufen, verzichtet auf Prunk, setzt auf flache Hierarchien und eine familiäre Atmosphäre. Ein Staudengarten mit Teich vor dem Haus lädt bis zur Schließung der Tore am Abend zum Verweilen ein - eine Bodenständigkeit, die dem Konzern einen ganz speziellen Charme gibt.
duc / Oberbayerisches Volksblatt
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