Forum Museumsinsel wächst in der Mitte
Immobilien Zeitung vom 15.09.2011
Lange Zeit lagen die historischen Gebäude der beiden Häuserblöcke zwischen Spree-, Oranienburger Straße, Tucholsky-, und Monbijoustraße brach. Hinter den Kulissen strickte Unternehmer Ernst Freiberger mit der Freiberger Projektentwicklung, Berlin, an einem Konzept zur Entwicklung der Liegenschaften in unmittelbarer Nachbarschaft zur Museumsinsel in Berlin.
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat dieser Tage viel zu tun. Die Wahlen in Berlin stehen kurz bevor und er eilt von einem Termin zum nächsten. Am vergangenen Mittwoch stand die Präsentation für das Forum Museumsinsel in seinem Terminkalender. Keine Frage, wenn das Geheimnis, was auf dem Areal in prominenter Lage geschehen soll, gelüftet wird, muss der Regierende dabei sein. So stellte Wowereit Seite an Seite mit Freiberger das Projekt vor, das mit einem Investitionsvolumen von 300 Mio. Euro das größte private Bauvorhaben in der Stadt sein dürfte.
Finanziert wird das Projekt von dem Familienunternehmen der Freibergers. Bis zum Herbst 2014 soll die Revitalisierung der größtenteils denkmalgeschützten Gebäude rund um das künftige Forum Museumsinsel abgeschlossen sein. Die vorbereitenden Arbeiten haben bereits begonnen und die Baugenehmigung für den südlichen Teil des Areals, der bis zum Ufer der Spree reicht, wird in Kürze erwartet.
31.000 m2 Grundstücksfläche, 125.000 m2 BGF, 90.000 m2 vermietbare Fläche und 300 Stellplätze. Das sind die Eckdaten für das Projekt Forum Museumsinsel, das in mehreren Abschnitten in den kommenden drei Jahren realisiert werden soll. Ein Hotel, Büros, Wohnungen, Einzelhandels- und Ausstellungsflächen sind geplant. Auf dem bislang für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Areal soll ein großer städtischer Platz entstehen, das Forum. Umgeben von Läden und Galerien soll das Forum ein Ort der Begegnung werden und je nach Jahreszeit unterschiedlich bespielt werden. Freilichtkino im Sommer und eine Eislaufbahn im Winter schweben Freiberger unter anderem vor. Herzstück des Forums soll ein Neubau werden, der eine Markthalle und die Ausstellung Mobile Zeiten beherbergen soll. Dort werden unter anderem exklusive Oldtimer aus der persönlichen Sammlung von Ernst Freiberger zu sehen sein. Die Markthalle will der Münchner Feinkosthändler und Gastronom Michael Käfer betreiben.
David Chipperfield und Patzschke & Partner sind mit im Boot
Während der Architekt für den auf dem Forum geplanten Neubau erst noch ausgewählt werden muss, stehen die Planer der Sanierung und Umnutzung der historischen Gebäude im südlichen Teil des Areals schon fest. In dem ehemaligen Forschungsgebäude der Charité an der Monbijoustraße sollen nach den Entwürfen vom Berliner Büro Patzschke & Partner, das unter anderem das Hotel Adlon am Pariser Platz entworfen hat, Stadtwohnungen entstehen. Residenz Monbijou tauften die Projektverantwortlichen das künftige Wohnhaus mit Blick auf das Bodemuseum.
Ebenso soll das von den Zwillingsbrüdern Rüdiger und Jürgen Patzschke gegründete Büro im so genannten Simon-Palais, das direkt am Ufer der Spree liegt, schmucke Wohnungen entwerfen. Im Erdgeschoss des einstigen Krankenhauses für Mädchen und Frauen, das mit Mitteln aus der Ida-Simon- Stiftung 1909 bis 1911 errichtet wurde, soll ein Literaturcafé Einzug halten.
Bislang sind insgesamt 30 zwischen 80 und 280 m2 große Mietwohnungen in den Gebäuden des Forum Museumsinsel geplant. Für Liebhaber des Bauhaustils wird es einige zweigeschossige Einheiten mit Dachterrassen im ehemaligen Gebäude der Frauenklinik in der Ziegelstraße geben. Das langgestreckte Haus reicht von der Monbijou- bis zur Tucholskystraße und soll entlang der Ziegelstraße Geschäfte mit designorientierten Anbietern beherbergen.
Als Architekt für den Umbau des 1930 errichteten Gebäudes im klassischen Bauhausstil konnte Sir David Chipperfield gewonnen werden. Der hat auf der anderen Seite der Spree bereits das Neue Museum umgebaut, und nach seinen Entwürfen entsteht derzeit die James Simon-Galerie, das neue Empfangsgebäude für die Museumsinsel.
Ins Gropius-Ensemble zieht die Telekom School of Transformation Am Forum Museumsinsel wird Chipperfield das so genannte Gropius-Ensemble umbauen und den nach dem Zweiten Weltkrieg abgetragenen Anbau im südlichen Teil durch einen modernen Baukörper ergänzen. Für dieses Gebäudeensemble zwischen Ziegelstraße, Spree und Tucholskystraße steht der neue Nutzer bereits fest: Die Telekom School of Transformation, eine Akademie der Deutschen Telekom, wird dort einmal einziehen.
Früher gehörten die 1879 und 1883 von den damals führenden Krankenhausarchitekten Martin Gropius und Heino Schmieden errichteten Häuser ebenfalls zu den Einrichtungen der Universitätsklinik. Besonders erwähnenswert ist der in seiner Architektur außergewöhnliche Rundbau des Hörsaals, der originalgetreu erhalten bleiben soll.
Im Herbst 2012 soll der Umbau für den südlichen Abschnitt abgeschlossen sein. Danach steht die Sanierung des Haupttelegraphenamts an der Oranienburger Straße/ Ecke Monbijoustraße auf dem Programm. Nach den Entwürfen von Patzschke und Partner werden zur Oranienburger Straße hin Büros eingerichtet. Im Gebäudeteil um den zweiten Innenhof, der an der Monbijoustraße liegt, soll wiederum ein Vier-Sterne-Hotel entstehen, das die Freiberger Holding selbst betreiben will.
Langfristiges Engagement statt kurzfristige Gewinnoptimierung
Zum Forum Museumsinsel gehören noch zwei weitere Gebäude, in denen Laden- und Büroflächen vorgesehen sind: Das 1789 bis 1791 errichtete Logenhaus in der Oranienburger Straße 71/72 und das 1926/27 errichtete Fernsprechamt in der Tucholskystraße. Im Logenhaus mit einer Nutzfläche von 2.800 m2 schwebt Freiberger eine Unternehmensrepräsentanz vor. In dem im rückwärtigen Teil zum Forum hin orientierten Fernsprechamt sollen unterschiedliche Dienstleister angesiedelt werden und in den oberen Etage Büroflächen entstehen.
Für die Entwicklung des Konzepts hat sich Freiberger reichlich Zeit gelassen. Bereits 2001 erwarb er den nördlichen Teil des Areals zwischen Ziegelstraße und Oranienburger Straße. 2007 kaufte er die Gebäude im südlichen Teil am Ufer der Spree vom Berliner Liegenschaftsfonds, der im Auftrag der Universitätsklinik Charité ein Bieterverfahren durchführte.
Dass Freiberger am Ende den Zuschlag erhielt und mit seinem Familienunternehmen nun das historisch bedeutsame Quartier in Berlin-Mitte entwickelt, darf man wohl als Glücksfall betrachten: "Wir können uns darauf verlassen, dass hier ein Projekt von Qualität geschaffen wird", ist sich Klaus Wowereit gewiss. Und Freiberger versichert, er wolle das Areal nachhaltig entwickeln, sprich die alte Substanz erhalten und einer zukunftsträchtigen Nutzung zuführen. "Die Tatsache, dass wir über Jahre an dem Konzept für das Forum Museumsinsel gearbeitet haben, zeigt, dass wir es uns nicht leicht gemacht haben." Und er versichert: "Wir entwickeln die Liegenschaften, um sie im eigenen Bestand zu halten, nicht um sie zu verkaufen. Das heißt konkret: Es gibt im Forum Museumsinsel ausschließlich Flächen zu mieten. Zu jedem Zeitpunkt der Planung und ihrer Umsetzung war für mich entscheidend: In welchem Zustand übernehme ich die Liegenschaften und in welchem Zustand werden sie einmal Kindern und Enkelkindern übergeben?" - Mit dieser Herangehensweise zeigt sich Freiberger als Unternehmer vom alten Schlag: "Sicherheit und Glaubwürdigkeit statt kurzfristige Gewinnoptimierung" lautet sein Credo.
von Martina Vetter
