Am Spreebogen anlegen
Manager Magazin 07/2011
DIESE VILLA IST EIN JUWEL. Sie liegt mitten im Herzen von Berlin, aber in den Schlaf wiegt einen das rauschen vorbeiziehender Schiffe. Sie verfügt gerade über 19 Suiten und Zimmer, aber bietet Service und Komfort eines Luxushotels. Und all den großen Häusern mit den bekannten Namen hat sie sogar noch etwas voraus: Die „Villa Abion“ am Spreebogen ist vermutlich die sicherste und diskreteste Unterkunft der ganzen Stadt.
Die Tiefgarage mit direktem Hotelzugang benutzt die kleine Stadtresidenz zusammen mit den Mietern des gläsernen Bürokomplexes „Spree-Bogen“, also dem Bundesinnenministerium und den Unternehmensberatern von Roland Berger. Mithin ein perfekter Platz für Firmen, die ungestört im engsten Führungskreis tagen möchten – sie mieten das ganze Haus. Die Villa mit ihrer historischen Fassade, die zum benachbarten „Abion Hotel“ gehört, ist aber auch für hotelmüde Individualisten ein wunderbares „home away from home“ – mit eigener Sauna plus Fitness im Untergeschoss und herrlicher Jogging-strecke an der Spree.
So nah fließt die Spree an den hohen Panoramafenstern der Villa vorbei, dass man sich fühlt wie auf einem Hausboot. Früh morgens spiegeln sich die stolzen weißen Bürgerhäuser von gegenüber auf dem Wasser, nimmt tutend der Raddampfer „Europa“ seine Arbeit auf, und dann rauschen die Berliner Freizeitkapitäne auf ihren stolzen Jachten vorbei, als kämen sie nicht aus Kladow, sondern geradewegs vom Cap d’Antibes. Ein bisschen Ferienluft weht hier immer.
Die Ausstattung ist modern, gediegen, viel edle Hölzer, schöne Lampen, mit maritimen Überraschungen und kolonialem Charme. Die Bäder sind perfekt, man vermisst nur Petitessen wie Bettvorleger oder Bettwäsche besserer Qualität. Aber wir sind guten Mutes, seit ein paar Monaten erst gehört die Villa zur Ameron-Edition, der Boutiqueabteilung der Ameron-Business-Hotels, und diese wiederum sind teil der renommierten Althoff-Gruppe. Die gibt dem Villenjuwel garantiert den letzten Schliff.
SO SITZEN WIR ENTSPANNT auf der kleinen Loungeterrasse und fragen uns, welche Magie diesem Spreebogen wohl innewohnt, dass er immer wieder Unternehmer inspiriert. Auf diesem Gelände wurde einst das schumannsche Porzellan produziert, hat der legendäre C. Bolle die Berliner mit Milch, frisch vom Bollewagen, versorgt, dann die Chiemgauer Familie Freiberger ihr EFA-Eis angerührt und schließlich ernst Freiberger, der Sohn, mit der Übernahme einer maroden Pizzabäckerei genau hier 1976 sein Unternehmen begründet (heute Kliniken, Hotels, Immobilien). Ihm ist die gesamte Spreebogen-Bebauung zu danken, seiner Stiftung zudem die dortige „Straße der Erinnerung“.
Jetzt geht man auf dem Weg zur Villa am Bronzekopf großer Deutscher wie Konrad Zuse vorbei, dem Erfinder des Computers. Warum haben die hässlichen Biergartentische (gehören zur „Lanninger Bar“ im „Abion“-Hotel) zwischen den Köpfen der edlen nicht wenigstens alle Tischdecken? „Sind inner Wäsche. Ham keen Ersatz.“ Auch das ist Berlin.
Artikel erscheinen im manger magazin von SIBYLLE ZEHLE
Sibylle Zehle bereist seit 25 Jahren die Welt auf der Suche nach dem perfekten Hotel und hat mehrere Bücher zum Thema veröffentlicht.
